Liebe Eltern,
Alkohol zu trinken gehört in unserer Gesellschaft in vielen Alltagssituationen dazu. Die meisten Menschen haben gelernt, Alkohol so zu konsumieren, dass sie keine Probleme damit haben. Aber gerade bei Jugendlichen haben sich in den letzten Jahren problematische Konsumformen gezeigt: Viele Jugendliche betrinken sich bei bestimmten Anlässen (z.B. Discobesuch, Abifeiern, bei Musikveranstaltungen), dass heißt sie trinken in ganz kurzer Zeit große Mengen Alkohol, was erhebliche gesundheitliche Folgen haben kann.
Und gerade in den Karnevalstagen sind Jugendliche besonders gefährdet. Wenn aus Lachen Lallen und aus Schunkeln Schwanken wird, hört der Spaß im Karneval ganz schnell auf. Das x-te Bier, noch ein hochprozentiger Schluck und plötzlich steht die Clique nicht mehr am Festumzug, sondern am Erste-Hilfe-Zelt.
Alkohol im Karneval? Was können Eltern tun? Damit Jugendliche einen verantwortungsvollen
Umgang mit Alkoholkonsum lernen, kommt Ihnen als Eltern eine sehr wichtige Rolle zu.
Auch im Karneval gilt: Eltern, Erzieher, kurz alle Erwachsenen, sind Vorbilder.
Kinder beobachten nicht nur im Karneval sehr genau, wie in der Familie oder im Freundeskreis
gefeiert und getrunken wird. Vor einem Gespräch mit Ihren Kindern sollten Sie sich unbedingt mit
Partnerin oder Partner absprechen und sich auf eine gemeinsame Haltung einigen. Nehmen Sie
sich Zeit für ein Gespräch.
Im Folgenden 11 Tipps (nicht nur) für die Karnevalstage:
- Zögern Sie den Konsum möglichst lange raus
Im Karneval konsumieren Jugendliche oft das erste Mal alkoholhaltige Getränke. Flirten und Feiern gehen aber auch ohne Alkohol. Die Forschung belegt: Je später der Einstieg desto früher der Ausstieg (§ 9 JuSchG Abgabe und Verzehr alkoholischer Getränke wie z.B. Wein und Bier ab 16 Jahren; Abgabe und Verzehr von Branntwein und branntweinhaltigen Getränken ab 18 Jahren). Weiter belegt die Forschung: Je früher der Einstieg desto schwerwiegender sind auch die alkoholbezogenen Folgen wie Abhängigkeit und Kontrollverluste.
- Zeigen Sie Interesse
Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist ein Gruppenphänomen, besonders an den „Tollen Tagen“. Interessieren Sie sich für die Feierpläne Ihres Kindes. Es ist gut zu wissen, wer die Freunde Ihrer Kinder sind, wo sie sich aufhalten und was sie machen.
- Treffen Sie Verabredungen
Die Freundesgruppe kann auch ein Schutz für Ihr Kind sein. Wenn Sie der Clique ihrer Kinder nicht vertrauen, sollten Sie die Eltern der Freunde/Freundinnen kontaktieren und Regeln sowie Verabredungen treffen. Knüpfen Sie ein Elternnetzwerk.
- Setzen Sie klare Grenzen
Ihr Kind braucht klare Grenzen, damit es lernen kann, mit Alkohol verantwortungsvoll umzugehen. Finden Sie für Ihre Familie passende, verbindliche Regeln. Seien Sie in Ihrer Haltung klar und eindeutig. Noch ein Hinweis: Eltern sind nicht verpflichtet, alles zu erlauben, was das Gesetz gestattet!
- Seien Sie konsequent und loben Sie
Besprechen Sie im Vorfeld mit Ihrem Kind, welche Folgen eine Regelverletzung hat. Wichtig ist,
dass Sie konsequent bleiben und angedrohte Sanktionen auch durchsetzen. Lob beim Einhalten
der Regeln ermutigt Ihr Kind.
- Hören Sie zu
Versuchen Sie den „richtigen Ton“ zu treffen. Interessieren Sie sich für die Meinung Ihres Kindes
und für die Rituale der Gleichaltrigengruppe. Hören Sie zu, damit Sie wirklich erfahren, was Ihr Kind
denkt.
- Geben Sie sachliche Informationen
Erklären Sie Ihrem Kind, dass es Situationen gibt, in denen der Konsum alkoholhaltiger Getränke
unabhängig vom Alter lebensgefährlich ist, z.B. im Straßenverkehr (auch als Beifahrer, mit Mofa
oder Fahrrad). Klären Sie darüber auf, dass es beim schnellen Konsum einer großen Menge
Alkohol zu einer Alkoholvergiftung mit Unterkühlung, Erbrechen und Erstickungsgefahr kommen
kann.
- Klären Sie auf
In einer Studie mit jungen Mädchen hatten knapp 50 % der Gruppe, die über sexuelle Übergriffe
berichtete, zuvor Alkohol konsumiert. Informieren Sie Ihre Kinder über die Gefahren und Folgen
ungeschützten Geschlechtsverkehrs.
- Reden Sie
Untersuchungen belegen, dass Jugendliche in betrunkenem Zustand zu aggressivem Verhalten
neigen können. Ca. 1/3 jugendlicher Straftäter waren bei der Tat alkoholisiert. Weisen Sie sie
darauf hin, dass auch die eigene Gewaltbereitschaft unter Alkoholeinfluss stark zunehmen kann.
- Bewahren Sie Ruhe
Bleiben Sie ruhig, wenn Ihr Kind betrunken nach Hause kommt. Klären Sie, ob Ihr Kind
„angeheitert“, betrunken oder kurz vor einer Alkoholvergiftung steht. Bleiben Sie bei Ihrem Kind,
auch wenn es schläft und überwachen Sie regelmäßig seinen Zustand. Ist Ihr Kind nicht
ansprechbar, nicht zugänglich oder sehr aggressiv – Notarzt anrufen.
- Nehmen Sie Kontakt auf
Bleiben Sie in der Karnevalszeit mit Ihrem Kind im Gespräch, zeigen Sie Interesse und lassen Sie den Kontakt nicht abreißen. Auch wenn Sie selbst unterwegs sind, sollten Sie für Ihr Kind erreichbar sein.
Und zum Schluss: Holen Sie sich Rat (s. Kontakt), wenn Sie nicht weiter wissen!