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Langjähriger Geschäftsführer des Wasserverbandes Aabachtalsperre, Professor Klaus-Joachim Prien, in den Ruhestand verabschiedet
Kreis Paderborn (krpb). Über 20 Jahre war sein Arbeitsplatz dort, wo andere joggen, radeln, spazieren gehen und dabei eine atemberaubende Aussicht über den See und die Berge des nördlichen Sauerlandes genießen. Die Aabach-Talsperre ist jedoch nicht nur schön anzusehen sondern speichert kristallklares Trinkwasser für rund eine Viertel Million Menschen der Kreise Paderborn, Soest, Gütersloh und Warendorf. Darüber hinaus hat sie eine wichtige Funktion im Hochwasserschutz. Seit 1990 zeichnet der Geschäftsführer des Wasserverbandes Aabach-Talsperre, Professor Klaus-Joachim Prien, gemeinsam mit seinem Team für diese Aufgaben verantwortlich. Nun geht er schweren Herzens von Bord. Denn der diplomierte Ingenieur hat seine Arbeit gern gemacht. „Ihr Element ist das Wasser oder anders gesagt, mit dem Wasser sind Sie in Ihrem Element“, sagte Landrat und Verbandsvorsteher Manfred Müller im Rahmen der feierlichen Verabschiedung in der Wewelsburg. Priens Arbeit habe dazu beigetragen, dass die Menschen hierzulande unbesorgt den Wasserhahn öffnen und das Lebensmittel Nr. 1 genießen können. „Eine bemerkenswerte Lebensleistung“, so Müller wörtlich.
Im Beisein von viel Prominenz dankte der Landrat dem langjährigen Geschäftsführer für die Arbeit, „die er mit bestem Fachwissen und viel persönlicher Energie vom ersten Spatenstich bis zum Einbau der neuen UV-Desinfektionsanlage“ geleistet habe. Im Dezember 1975 wurde Prien die technische Leitung für den Bau und Betrieb der Aabach-Talsperre übertragen worden. Im September 1990 übernahm er die Geschäftsführung. Er sei immer auf dem Damm gewesen, habe die anstehenden Probleme souverän gelöst und mit seiner präzisen und gelassenen Art den Dingen zuweilen auch die Dramatik genommen. Unvergessen geblieben sei das dreimalige Hochwassergeschehen in 2007, das auch ihn und seine Mitarbeiter an die Grenzen geführt habe. Denn Trinkwasser aufzubereiten ist Hightech. Ein komplizierter Steuerungsprozess, der Fachkenntnisse, Erfahrung und Sensibilität erfordert und gerade in solch kritischen Tagen Schwerstarbeit bedeutet.
Prien plädierte stets für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Gewässerschutz und den menschlichen Nutzungsansprüchen. „Ökologie muss sich mit dem Menschen vollziehen und darf nicht durch ideologische Überzeichnung gegen ihn gerichtet sein. Daher wird eine gute Umwelt- und Wasserpolitik den Menschen nicht ausschließen, sondern ihn in ihre Ziele einbeziehen“, lautete seine Devise. Sein Ziel war es zudem von Anfang an, betriebliche Abläufe zu optimieren, technische Innovationen zu nutzen und gleichzeitig sparsam zu wirtschaften. So errichtete er unmittelbar nach Inbetriebnahme der Anlagen des Wasserverbandes die Energierückgewinnungsanlagen am Talsperrenfuß und im Behälter Steinhausen und erschloss dem Verband damit einen nachhaltigen monetären Mittelzufluss. Die Wasserwerke Paderborn werden mittlerweile ebenfalls mit Talsperrenwasser beliefert. Den Ablauf der Talsperre in den Unterlauf des Aabachs optimierte er so, dass sowohl Flora und Fauna in Bach und Talaue bald einen Zustand wiederfanden, der dem ökologischen Urzustand vor dem Bau der Talsperre entsprach. Die Sicherheitsnachweise für den Damm wurden nach dem Elbhochwasser den neusten Anforderungen angepasst. Der Inhalt und die Wassergüte in der Talsperre werden unter Verwendung der neusten wissenschaftlichen Verfahren prognostiziert. Das Trinkwasser aus der Talsperre wird mit immer weniger Aufbereitungschemikalien und wirtschaftlich günstigeren Konditionen hergestellt. Noch unter seiner Federführung ging die Desinfektionsanlage mit UV-Strahlen in Betrieb, die eine der modernsten Anlagen zur Trinkwasserversorgung und zum Hochwasserschutz darstellt.
Seine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Themen der Wasserwirtschaft führte dazu, dass er in die Fachgremien des Deutschen Vereins für das Gas- und Wasserfach (DVGW) berufen wurde. Als Bauingenieur hatte er sich bereits zuvor in das maschinenbaulich geprägte Fachgebiet der Thermodynamik eingearbeitet und dort prägende Spuren hinterlassen. So war er jahrelang Mitglied und zuletzt Obmann des Projektkreises Einbaubedingungen von Kreiselpumpen und initiierte weitere Forschungsvorhaben. Für seine verdienstvolle Arbeit im Deutschen Verein für das Gas- und Wasserfach (DVGW) wurde Professor Prien im Jahr 2006 mit dem DVGW-Ehrenring ausgezeichnet. Auch die fachliche Arbeit in der Arbeitsgemeinschaft der Trinkwassertalsperren (ATT) wurde von ihm maßgeblich mit beeinflusst.
Zahlreiche Veröffentlichungen dokumentieren sein Engagement im Wasserfach und insbesondere der Wissensvermittlung und der beruflichen Weiterbildung. Die Freude an seiner Arbeit und der Wasserwirtschaft kommt durch seine sehr lange Dozententätigkeit an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe zum Ausdruck, für die er am 23. September 2005 mit einer Honorarprofessur geehrt wurde.